DLFR Deutsche L�schflugzeug Rettungsstaffel ............

 

05.05.10 11:01

Waldbrand in der Lneburger Heide: 1975 kam es zur ......

Foto: Archiv Klaus Bethge

1975 kamzur Waldbrand Katastrophe in der Lneburger Heide. Aus aktuellem Anlass folgt der Bericht eines Feuerwehrmannes, der die Katastrophe miterlebt hat. Er beschreibt den Einsatz aus seiner Sicht und gibt interessante Einblicke in die damaligen Strukturen der Einsatzplanung....

Die Heide brennt.... von Klaus Bethge

Ich kann ihn riechen, den Rauch, ihn sehen, wie er am Horizont hoch wabert..
Aschepartikel bedecken meinen Gartentisch auf der Veranda, whrend sich die Hitze dieses Sommers wie aus einem Hllenschlund entflogen ber das Land legt..

Es ist der August des Jahres 75, ein, was die Temperaturen betrifft, Jahrhundertsommer, der fast jegliche Aktivitten lhmt . Die Luftfeuchtigkeit betrgt nur noch 20 Prozent, eine Nachtkhle gibt es nicht
Schwei rinnt in Bchen ber das Gesicht und lsst die Augen brennen, ein jeder hat nur eine einzige Sehnsucht: ein kalte Dusche..

Schon seit gestern lasse ich das Radio Dauer laufen, der Fernseher wird zu jeder Nachricht angeschaltet. Die Lneburger Heide brennt in einem Mae, welches bis jetzt in Deutschland vllig unbekannt war..

Es ist eine Katastrophe, die fast folgerichtig auftritt und durch Dummheit, Inkompetenz und Desorganisation erst dieses Ausma annehmen kann.
Dinge die letztlich zum Tode von sechs Kameraden sowie eines Polizeibeamten fhren..

Vorweg gegangen ist ein verheerender Sturm im Jahre 1972, der schwerste Schden in den Wldern hinterlie, Schden, die immer noch nicht beseitigt sind, Bruchholz, das immer noch herumliegt und den idealen Nhrboden fr Feuerbrcken bildet..

Die Lneburger Heide ist ein mehr oder weniger zusammenhngendes Gebiet aus Nadelwldern, die reinen Heideflchen sind selten geworden..
Das Brandgebiet liegt in etwas im Regierungsbezirk Lneburg, konzentriert auf die weitere Umgebung der Stadt Celle. Der Regierungsbezirk besteht aus ca.
30 % Waldflche..

Ich ahne, was jetzt auf mich zukommt, ich bin dabei, ein paar Sachen zusammenzupacken, um zum Obermeisterlehrgang in die Landesfeuerwehrschule Celle zu fahren..

Dort angekommen finden sich so nach und nach die Kollegen aus Hannover, Osnabrck, Hildesheim und Wilhelmshaven ein, wir stellen die Koffer in die Halle, die Sekretrin hat uns gesagt, wir sollen erst mal warten, es sei zur Zeit keiner da. Wir schauen uns an, ich versuche etwas zu erfahren, aber eine Auskunft bekomme ich nicht, die Lage ist vllig auer Kontrolle geraten. Nur soviel steht inzwischen fest, EIN Feuer gibt es nicht, inzwischen ist ein Wind aufgekommen und treibt die Feuerfront vor sich her, wie er es fr richtig hlt.
Groe geteilte Feuerinseln treiben die vllig berforderten Krfte fast zur Verzweifelung. Sie agieren nicht, sie knnen nur, so gut als mglich, reagieren.
Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren, die an diesem zweiten Tag noch berwiegend alleine kmpfen jagen dem Feuer praktisch hinterher, es springt nach hier, es springt nach dort..

Pltzlich taucht in der Halle eine vllig verschmutzte, ruverschmierte Figur auf, kaum zu erkennen in der ehemals blauen Kombination, das Gesicht bedeckt durch eine getrocknete Ascheschicht, die nun langsam aufbricht und es unmglich macht, hier eine Gemtsregung zu erkennen. Hallo Kollegen, mein Name ist S., ich bin einer der Ausbilder, nehmen Sie ihre Koffer, gehen Sie auf ihre Zimmer, um 18.00h Abendessen, wir sehen uns dann morgen!
Ein Schwall von Fragen prasselte auf diese mde Gestalt hernieder, so einfach lassen wir uns nicht abspeisen, wollen nun Genaueres wissen, und was wir da hren, lsst uns nichts Gutes ahnen..

Offensichtlich scheint schon jetzt, dieses besttigt sich spter auf traurige Weise, das totale Chaos ausgebrochen zu sein, viele Huptlinge und keine Indianer..
Teilweise wei die Leitung (welche? Es gab viele, die in der Anfangsphase vor sich hinwurschtelten), nicht einmal, welche Wehren in welchen Bereichen eingesetzt sind.

Zu diesem Zeitpunkt noch liegt die Gesamtleitung in der Hand des Kreisdirektors, eines alten Weltkrieg II Haudegens mit Ritterkreuz, der sich beharrlich weigert, berrtliche Hilfe zu holen und die Planung in die Hnde von Fachleuten abzugeben. Rechtlich ist er auf der sicheren Seite, denn befehlsgebende Stelle ist der sogenannte Hauptverwaltungsbeamte, aber sein Versuch, mit alten Stabsoffiziersmethoden diesen Krieg zu gewinnen war von Anfang an zum Scheitern verurteilt..

Flugzeuge des Niederschsischen Feuerwehr-Flugdienstes, eine Gruppe von Feuerwehrleuten mit Fluglizenz, die sich fr solche Flle zusammen geschlossen haben, kreisen ununterbrochen und melden immer neue Brandherde..
Die Lage wird immer chaotischer, das Innenministerium mit dem damaligen Innenminister Gross entzieht dem Kreisdirektor die Befehlsgewalt (dem Vernehmen nach soll es ein sehr lautstarke Auseinandersetzung gegeben haben) und bernimmt die weitere Planung.

Jetzt kommen neue Einheiten der Bundeswehr, des Grenzschutzes, der englischen Armee, Technisches Hilfswerk, DRK etc. in das Brandgebiet. ABER, die Sache wird keineswegs besser, denn keiner der Kommandeure ist bereit, sich mit seinen Mnnern einem gemeinsamen Kommando zu unterstellen, bis dem Innenminister der Kragen platzt und er die Gesamtleitung dem General des Grenzschutzkommandos (Damals trugen die Beamten des BGS noch militrische Dienstgrade) bertrgt..

Wir sitzen auf unseren Zimmern, spekulieren, raten, was aus unserem Lehrgang wird, legen unsere Einsatzkleidung bereit, denn uns war es klar, dass auch wir bald eingesetzt werden..

Bald erreicht uns die traurige Nachricht, dass es den ersten Toten gegeben hat, - der Kreisbrandmeister Meyer von der Wehr Wahrenholz erliegt auf der Einsatzfahrt zu einem Brandgebiet einen Herzinfarkt..
Langsam sickern weitere Nachrichten durch, - der Wind dreht, das Feuer luft in ein groes Moorgebiet, Feriengebiete werden gerumt, ein Holzwerk ist unmittelbar bedroht, die Bahnlinie Hannover Uelzen wird geschlossen, weil das Feuer sich da entlang ausbreitet und eine lange durchgehende Front bildet, dort auch das erste Haus in Flammen aufgeht..

Improvisieren ist angesagt, die Bahnfeuerwehr verldt kurz entschlossen ein Tanklschfahrzeug (TLF 16) auf einen Gterwagen, angehngt der Wassertender einer Lokomotive und fhrt damit die Bahnstrecke ab., um so in die Brandbekmpfung einzugreifen.

Wir sehen es im Fernseher, die alte Hausbesitzerin, eine Ur-Ostpreussin sitzt vor ihren Trmmern und klagt den Journalisten ihr Leid: No, was wird schon sein?? Habe ich verloren schon einmal mein Eigentum, wird schon weitergehen!

Die Brandbekmpfung ist fast hilflos, Tanklschfahrzeuge fahren sich fest und werden von Bergepanzern der Bundeswehr wieder frei geschleppt, eine geordnete Kommunikation findet nicht statt, da es ein einheitliches Funknetz nicht gab, eine Leitstelle neben der nchsten fungiert..
Inzwischen werden Krfte aus dem gesamten Bundesgebiet heran gefhrt, in den ersten Tagen sind etwa 2500 Mnner im Einsatz, am Ende werden es ber 10.000 sein..

Einer der Hauptsammelpunkte fr die ankommenden Krfte ist die Landesfeuerwehrschule Celle..

Erster Auftrag fr uns: Kche besetzen, Kaffee kochen und Brote bereiten..
Hier kommt es zu einigen, im Nachhehrein lustigen Szenen: Ein Badenser kommt nachts um drei Uhr auf mich zu und bittet um etwas Kleingeld, er msse mal telephonieren. Die armen Kerle sind von ihren Arbeitsstellen abgeholt und, ohne das sie Gelegenheit haben, noch mal schnell nach Hause zu gehen, um sich vorzubereiten, alarmmig gen Norden gefahren..

Der Mann kommt mit einem langen Gesicht zurck. Er erzhlt mir, er habe versucht, seine Frau anzurufen und ihr erklren, wo er nun sei. Leider kam er nicht dazu: Du alter Sufer, wenn du nicht gleich aus der Kneipe nach Hause kommst, dann ist was los! Ehe er den Irrtum aufklren konnte war das Geld alle!

Ich habe von dem inzwischen eingetroffenen Verwaltungsleiter den Auftrag, eine Kchenkladde zu fhren, in der ich grob eintragen soll, welche Wehren mit wie viel Leuten verpflegt wurden. Das klappt auch ganz gut, bis mir ein Witzbold zurief: Feuerwehr Helgoland, 10 Mann!, und ich das auch brav hineinschreibe.

Ein paar Tage spter treffe ich, gerufen, auf den Verwaltungsleiter, der mit etwas verwirrtem Gesicht ber meiner Kladde sa und fragte, ob die FW Helgoland mit der Fhre oder mit einem Fischerboot gekommen sei! Nun ja, etwas verrissen!

Gegen vier Uhr morgens darf ich mich etwas auf das Bett legen, um 6.30 h werde ich wach gerttelt: Los, fertig machen! Du musst raus!
Ich setzte mich auf die Bettkante, starre gegen die Wand und versuche, mich zu erinnern, wo ich berhaupt war, versuche die bleierne Mdigkeit loszuwerden.
Ach ja, richtig, Celle!

Schon jetzt berfllt mich die Tageshitze wie von einem heien Haartrockner, rein in die Kombi, schnell durch die Kche gelaufen, einen Becher heien Kaffee der Marke Schlag mich tot heruntergestrzt, ein Butterbrot von dem nchsten Tablett geschnappt (Fr wen das fertig gemacht wurde?? Interessiert doch keinen!) und auf den Hof, wo der Schirrmeister der Schule und ein weiterer Kollege aus Hannover schon warteten.. Wo wir hin sollten?? Der Schirrmeister sagt es mir, kenne ich nicht, egal, aufgesessen und der Celler Kollege fhrt los..
Bald sind die Straen verstopft, viele rote Fahrzeuge kommen entgegen und in unsere Richtung die obligatorischen Fahrzeuge der Katastrophentouristen..
Mir wird es zu dumm, ich schalte das Blaulicht an, der Schirrmeister guckt mich von der Seite an, sagt aber nichts..

Irgendwo, JWD (Jan Weit Drauen) ein kleines Dorf, ein Zelt neben einer Dorfgaststtte, das Ganze eine Art Einsatzleitung. Wo kommt Ihr her?? Feuerwehrschule! Wo wollt Ihr hin? Da und da. Ach so, ja , wissen wir auch nicht, aber fahrt mal da und da hin, haltet den Waldrand nass, dass das Feuer da nicht wieder durchluft! Drei Mann, ein Tanklschfahrzeug, ich fasse es nicht, aber hier geht es nach dem Prinzip Hoffnung: Sie werden schon wissen, was sie tun!

Blick auf die Karte (eine Wanderkarte, die sich der Schirrmeister noch schnell aus seinem privaten PKW geschnappt hatte) und durch Waldwege, herum um die dort abgestellten Fahrzeuge der bereits seit zwei Tagen im Einsatz befindlichen Kameraden herum. Mann oh Mann, wie sehen die aus?? Gesichter, die wie Totenkpfe einer Teufelsmesse aussehen, Mnner, die nur noch taumeln..

Unmittelbar hinter einem Fahrzeug, die Mnner liegen teils im Gras, teils sitzen sie schlafend auf dem Fahrzeug, brennt es frhlich vor sich hin. Leute, macht doch mal den Kram aus!

Der Maschinist schaut mich mit einem absolut leeren und abwesenden Blick an, setzt dann aber das Fahrzeug zurck und seine Leute zerren den Schnellangriffschlauch heraus und machen den Kleinbrand sehr schnell dunkel.
Spter begreife ich, dass hier so ein kleines Feuer bereits mit Verachtung gestraft wird..

Ich sehe mich um, schaue ber die Flche und sehe in einiger Entfernung Bergepanzer, die Bruchholz, welches da vom groen Sturm herumliegt, zusammenschieben, die einen Wundstreifen schaffen, um dem Feuer den Weg zu versperren.

Im Nachhehrein muss man sagen, das gerade diese Bergepanzer ihr Gewicht in Gold wert waren. Ohne sie htte die Geschichte sehr viel lnger gedauert..
Wir fahren weiter, neben uns ein groes Waldstck, welches etwa 100 Meter rein voll brennt..

Das kann ja gut werden.. Wir halten neben den dort anwesenden Kameraden (und einer Feldkche des DRK), orientieren uns, wo wir nun hin sollen, als pltzlich der Ruf erschallte:
Achtung, Bomber!

Ich denke gerade noch ber den merkwrdigen Humor mancher Zeitgenossen nach, als es pltzlich in der Luft frchterlich zu drhnen beginnt, dann ein groes gelbes Etwas ber mich weg fliegt, whrend kurz hinter ihm eine Wolke aus Wasser herunter klatscht! Was war DAS denn??
Es ist einer der beiden Wasserbomber, die von der Protection Civile der Franzosen zur Hilfe geeilt sind, eine CANADAIR CL215, die praktisch nonstop zum gesperrten Steinhuder Meer bei Hannover fliegen, dort im berflug 5,5 Kubikmeter Wasser aufnehmen und diese dann, oftmals Flughhe fast Null, ber dem Feuer abwerfen..

ber diese Wasserbomber werde ich noch gesondert berichten, ich habe sie kennen gelernt, als ich durch eine persnliche Einladung eines Funkfreundes, Feuerwehroffizier in der Leitstelle der Pompier du Ciel (Wrtlich: Feuerwehrleute des Himmels) in Marginane/Marseille erleben durfte, wie sie ben, ihre Einstze fliegen..

berhaupt werden bei dieser Katastrophe zum ersten Male Fluggert aller Art eingesetzt und ausprobiert..

Mittelschwere Hubschrauber der Bundeswehr und des Grenzschutzes (Bell UH 1 D, der sogenannte Teppichklopfer wie die Puma(Aluette) des Grenzschutzes und die Sikorsky der Bundeswehr schleppen Segeltuchbehlter mit Klappen im Boden, ber den Brandherd und lassen das Wasser aus verschiedenen Hhen ab.. Der Erfolg ist teilweise beachtlich, teilweise zweifelhaft..
Ist die Hhe zu gro verteilt das Wasser sich zu sehr und kommt aufgrund der Hitze gar nicht erst an das Feuer heran, teilweise aber facht der Rotor der Hubschrauber das Feuer auch erst richtig an..

Es wird dann dazu bergegangen, Transall - Maschinen der Bundeswehr, Truppentransporter, mit groen Behltern auszursten. ber dem Brandgebiet zieht dann die Maschine in eine Hecklage und lsst das Wasser ab. Auch diese Methode weist soviel Nachteile auf, dass sptere Versuche damit abgebrochen werden. Dieses insbesondere, als ein Pilot seine Wasserlast nicht loswird und es bei der Landung fast zu einem Crash kommt.

Einen sehr groen Wert jedoch haben die Hubschrauber als schnelles Transportmittel fr Gert wie zum Beispiel Tragkraftspritzen und Schluche und als Aufklrer..

Ein Hauptproblem ist ja die Wasserversorgung, wie viele Hunderte von Kilometern an Schluchen ber lange Strecken verlegt werden, ist mir nicht bekannt Ich glaube auch kaum, dass das einer genau sagen kann..
Nach diesem ersten Abenteuer fahren wir weiter und kommen endlich zu dem uns zugedachtem Waldgebiet, wo wir einsam und alleine auf weiter Flur stehen..

Schluche liegen en masse herum, auch wassergefllt, also muss diese Stelle wohl von einiger strategischer Bedeutung sein.
Zur rtlichkeit: Direkt hinter uns ein groes Waldgebiet, noch nicht betroffen, welches praktisch von uns zu schtzen ist, vor uns eine Art Wiese mit Knicks (kleines Gebsch) und dahinter ein weiteres groes Waldgebiet, in dem es munter brennt.

Irgendwie habe ich ein sehr dummes Gefhl, das sollen wir halten??

Wie auch immer, abgesessen und zum ersten Male sehe ich mir unser Fahrzeug an, welches praktisch leer ist. Ein oder zwei xte, eine Bgelsge, ein paar Schluche und: ein Buschmesser..
Das ist nun neu fr mich, dass die mir spter so bekannt gewordenen Pangamesser zur Ausrstung eines TLF gehren. Offensichtlich haben die Kameraden der Schule schon vorher, als sie abrckten, dieses Schulungsfahrzeug leergeplndert

Was soll es, die Pumpe hatten wir, Wasser auch, also an die Arbeit..
Das Feuer in dem vor uns liegenden Waldstck wird deutlich strker und luft auf uns zu, obschon der Waldrand noch dunkel ist..

Ich warne meinen hannoverschen Kollegen Jogi und auch den Kollegen der Schule, dass wir uns langsam mal um einen Rckzugweg kmmern mssten, fr den Fall der Flle. Quatsch, das Feuer kommt noch lange nicht..
Dieses allerdings ndert sich praktisch und im Sinne des Wortes schlagartig, als ich zum ersten Male in meinem Leben Bume regelrecht explodieren sehe..
Dieser Wald ist der typische Heidewald, Kiefern und Birken, also vom Brennwert her hochwertiges Gut..

Ich sehe es und begreife es irgend wie nicht: Zwei weie Birken werden fast abrupt braun und die Krone steht explosionsartig in Flammen. Und ich sehe zum ersten Male, wie Brandfackeln bis zu 50 Meter durch die Luft fliegen!
Jetzt wird es auch den beiden Kollegen klar, dass es allerhchste Zeit sei, sich mit dem Gedanken eines Rckzuges vertraut zu machen, nur, es ist zu spt!
Links und rechts von uns, jeweils ca. 100 Meter entfernt, brennt nun auch der Wald in unserem Rcken, die Strae, auf der wir gekommen waren, ist nicht mehr passierbar.

Wir sehen uns an. Ich meinte, in den Augen der beiden Kollegen genau das zu sehen, was ich fhle:
Entsetzen und Angst und wren unsere Gesichter nicht so mit Ru verkrustet, ich htte mit Sicherheit festgestellt, dass wir bleich werden..
Hilfe rufen geht nicht, dieses Funkgert hat nur einen bungskanal der Schule
(Dieses ist eine der Erfahrungen dieser Katastrophe, die zu einer vlligen Neuorientierung in der Katastrophenplanung fhrt, so etwas ist heute schlicht verboten )

Wasser ist weg, auch das noch, das Feuer hat uns unsere Schluche teilweise weg gebrannt und das Fahrzeug fast leer..

Die Zeit wird bedeutungslos, wir stehen nur da, die Gedanken drehen sich im Kreise, suchen verzweifelt nach einem Ausweg, hoffen auf ein Wunder, -
und das Wunder geschieht!
Pltzlich fliegt in einiger Entfernung ein Hubschrauber vorbei, wir sehen ihm traurig nach, bis er dann doch noch dreht und uns im Tiefflug passiert..
Dann geht alles relativ schnell, aus dem Wald hinter uns drhnt es wie von Urgewalten und aus einem kleinen Waldweg, der gerade mal als Spazierweg anzusehen war, schiebt sich ein Leopard, ein Kanonenpanzer der Bundeswehr.

Noch heute kommen bei mir, hre ich irgendwo Panzerketten, die Erinnerungen hoch und die Erinnerungen gehen automatisch zurck an dieses Waldstck, von dem ich heute noch nicht einmal wei, wo genau das passiert..
Der Panzer dreht nur einmal, der Kommandant fragt aus dem Turm heraus, was wir hier eigentlich machten?? Gute Frage! Ob wir denn nicht mitbekommen htten, dass sich alle Fahrzeuge und Mannschaften da und da neu zu sammeln haben?? Noch bessere Frage!

Na ja, fr lange Debatten haben wir keinen Sinn und noch weniger Zeit, der Panzer fhrt den gleichen Weg zurck, armdicke Bume in seiner Spur verschwinden im Match und wir fahren hinterher.

Kleinere Bume, fr den Panzer kein Hindernis, fr uns schon, werden mit dem bewussten Buschmesser abgeschlagen, und weiter, weiter!
An der Sammelstelle will irgendein Oberer den Lauten machen, unterlsst das aber wohlweislich, als er uns in die Augen sieht..

Ein paar Tage spter hren wir die Geschichte der fnf Feuerwehrkameraden, die bei Leiferde/Gifhorn umgekommen sind.

Eine fast identische Geschichte. Sie kommen mit einem leeren Tanklschfahrzeug auf einem Waldweg, der fr Holztransporte der Forstwirtschaft vorgesehen ist und links und rechts vom Kiefernwald begrenzt wird und wollen offensichtlich wieder Wasser aufnehmen..

Pltzlich dreht der Wind, treibt das Feuer vor sich her und dieses berholt das Fahrzeug. Das TLF bleibt, aus welchen Grnden auch immer , stehen und die Kameraden versuchen zu Fu zu flchten. WIE die Kameraden aussehen, als man sie auf eine Lnge von ca. 100 Meter verteilt findet, das zu schildern verbietet der Respekt vor den Toten..

Heute steht an der Stelle ein Gedenkstein und wer mal einen Ausflug, von Hannover kommend nach Gifhorn macht, der sollte da mal kurz abbiegen und dort, so ihm danach ist, ein kurzes Gebet sprechen.

Kurz darauf hren wir, dass ein Polizeibeamter tdlich verunglckt, als er einen Brandstifter verfolgt und sich dabei mit dem Streifenwagen berschlgt..
BRANDSTIFTUNG: Dieses ist ein besonders trauriges und unverstndliches Kapitel in dieser Tragdie.. Zu dem Zeitpunkt dieses Feuers sitzen alleine sieben! Feuerwehrleute im Celler Gefngnis und man fragt sich, was in den Kpfen solcher Mnner vor sich gehen mag.

Dieses soll nicht dem Vorurteil: Feuerwehrmann = oftmals Brandstifter Vorschub leisten..

Zuletzt sind es ber 10.000 Helfer aller Organisationen an der Einsatzstelle, die alle bis zur absoluten physischen und psychischen Erschpfung arbeiten. Da kann es nicht ausbleiben, dass der Bruchteil eines Bruchteiles nicht in den Rahmen passt..

Mir sind zwei symptomatische Flle falschen Ehrgeizes bekannt: Wie schon angefhrt bildet das Feuer keine einheitliche Front, sondern springt als eine Art von Inseln, vom Wind getrieben, vllig willkrlich mal hier hin und mal da hin..
Mitten im Brandgebiet liegen Drfer, die vom Feuer verschont bleiben und deren Wehrfhrung vllig richtig entscheidet: Unsere Mnner bleiben hier, wenn das Feuer kommt, dann brauchen wir sie hier und knnen sie nicht erst einsammeln..

Das wiederum rgert nun einige Helden, die mit ansehen mssen, wie Tausende und Tausende um sie herum, um ihr Gebiet Heldentaten verbringen (Haben sie nicht, sie haben schlicht, wenn auch ber die Mae hinaus, ihre Pflicht getan!) und sie drfen nicht.. Also haben sich einige kranke Geister eben schnell ihr Feuer selber erschaffen..

Wir selber, die drei Kollegen der Besatzung TLF Schule Celle bleiben noch bis zum nchsten Morgen in Bereitstellung , ohne noch einmal wirklich eingesetzt zu werden..

Das gibt uns Gelegenheit, mit Kameraden und Kollegen anderer Stdte zu sprechen, so z.B. mit den Berlinern.
Hier gibt es auch erst einmal rger, weil irgend ein Stratege den Verband aufstckeln und fahrzeugweise an diversen Einsatzstellen einsetzen will.
Der Einsatzleiter Berlin verbietet sich das schwer und sagt ganz klar: Gebt uns einen Abschnitt, den halten wir.

Erfahrungsgem soll man nicht mit Berlinern diskutieren, das knnen die besser und wo sie Recht haben, da haben sie Recht..

Interessant ist auch die Erfahrung der Berliner mit ihrer Alarmfahrt: Sie mssen diese bei der DDR-Grenztruppe anmelden und eine Transfer-Genehmigung abholen.

Fr die damaligen Verhltnisse geht das relativ reibungslos, die Nummern der Funkgerte werden aufgeschrieben und abgegeben, die Mikrofone der Funkgerte abmontiert, die Blaulichter an der Grenze (bis dorthin fuhren die Berliner mit Alarm) werden mit Kappen abgedeckt, kurze berprfung auf Vollstndigkeit der abgegebenen Liste von Fahrzeug. und Mannschaft und dann drfen die Kollegen in normaler Fahrt bis Helmstedt fahren, wo sie sehr schnell abgefertigt werden. Danach Blaulichter wieder frei und alarmmig weiter nach Celle.

Wir selber sind wieder in die Schule abgerckt, von Pause keine Spur, die Kche hat mich sehr wieder. Schlaf wird durch Idealismus ersetzt, die Fe, sie brennen, sie brennen.
Pltzlich ein Ruf eines Kollegen: Klaus, komm schnell, das MUT DU Dir ansehen!

Er rennt auf die Strae, ich kann mir nun wirklich nicht vorstellen, was es da so Interessantes zu sehen geben soll.
Es fegt eine LKW-Kolonne der englischen Armee vorbei, dass man glaubt, so etwas knne es nicht geben. Vorweg zwei Landrover mit Rotkppchen (englische Militrpolizei), Martinshorn und Blaulicht, aber von wegen Stop an der Kreuzung und sich sichern?? Keine Spur! Dass es da zu keinem Unfall kommt, das ist mir heute noch vllig ein Rtsel, das htte Splitter gegeben.

Anzumerken ist, dass ich in den folgenden Tagen auf Grund meiner .Sprachkenntnisse als Dolmetscher diene, wenn es zu Koordinierungsmanahmen mit der Armee Ihrer Majestt kommt und da habe ich dann mal hinterfragt, was die so erschreckt habe??
Ganz einfach; Die haben ein Munitionslager mit 20.000 Schuss Artilleriegranaten gerumt, und das Feuer greift bereits auf den Zaun ber. Da will die Feuerwehr so ungern hin..

Interessant ist auch, das die Bundeswehr erst mit Fluggert eingreift, als irgend jemanden auffllt, dass auch sie groe Munitionslager in der Heide haben, die den zivilen Stellen so gar nicht bekannt sind.
Viele Unzulnglichkeiten von Gert und Ausrstung stellen sich so langsam heraus:
Ein Teil unseres Lehrganges soll ein Altersheim schtzen, bei dem bereits der Zaun brannte..

Auch hier nur acht Mann mit einem Lschgruppenfahrzeug mit Vorbaupumpe!
Nicht davon zu sprechen, dass man ihnen versehentlich Diesel statt des bentigten Ottotreibstoffes mitgibt, hier klappt der Funk und das wird schnell in Ordnung gebracht, einem Kollegen brennen die Sohlen seiner neuen Stiefel weg und er steht pltzlich barfuss in der Glut..

Es sind viele Abhandlungen und Untersuchungen geschrieben worden, welche diese Geschichte aufgearbeitet haben, viele unsachliche Presseberichte haben die Kollegen/Kameraden echt verrgert, aber es ist seit dem auch viel passiert.
Noch nie zuvor wurden Verbnden aller Organisationen eine solche Aufgabe gestellt und nie zuvor haben so Viele so unglaubliche Leistungen auf einmal erbracht..

Jetzt endlich setzen sich die Zustndigen an einen Tisch und planen, wie es besser zu machen sei.
Im darauffolgenden Jahr kommt es an fast gleicher Stelle wiederum zu greren Waldbrnden, die aber alle bereits in sehr kurzer Zeit bewltigt werden.